Artikel im Berchtesgadener Anzeiger vom 14. November 2018 von Jörg Tessnow

Renovierte Orgel der Christuskirche Berchtesgaden eingeweiht

Berchtesgaden  – Sie pfiffen schon fast aus den letzten Löchern - die Orgelpfeifen der Christuskirche. Nach einer intensiven Revision lud die Evangelische Kirchengemeinde am Samstagabend zu einem feierlichen Konzert. Dekanatskantor und Kirchenmusikdirektor Matthias Roth aus Bad Reichenhall wählte dafür Orgelwerke von Buxtehude, Pachelbel, Bach, Mozart und Mendelssohn-Bartholdy aus, um den neuen Klangumfang der Orgel vorzustellen. Ergänzend dazu gewährte der Hamburger Orgelbaumeister Hans-Ulrich Erbslöh einen fachmännischen Einblick in die aufwendigen Arbeitsmaßnahmen am Instrument.

Pfarrer Peter Schulz begrüßte die Zuhörer und richtete seinen besonderen Dank an Orgelbaumeister Hans-Ulrich Erbslöh. Demonstrativ hielt er dabei ein Pfeifen-Relikt der »alten« Orgel in der Hand. Der größte Teil der Revisionsmaßnahmen wurde durch Spenden aufgefangen, die restlichen 14.000 Euro werden auch noch zusammenkommen, berichtete Schulz und scherzte angetan: »Die Orgel ist jetzt wieder entstaubt, aber die genaueren Arbeitsprozesse kann ihnen im Laufe des Konzerts Herr Erbslöh viel besser erklären als ich.«

Die komplizierte und fachmännisch anspruchsvolle Arbeit hierfür leistete Hans-Ulrich Erbslöh aus Hamburg. Erbslöh widmet sich seit Jahrzehnten dem Orgelbau auf der ganzen Welt. Sechs Wochen musste er zusammen mit seinem Mitarbeiter Bernd Becker aufbringen, um alle erforderlichen Reparaturen zu bewältigen. Das hieß: Optimieren des Klangkonzepts und Klangcharakters beziehungsweise der Ansprache. 1500 Pfeifen mussten unter anderem gereinigt, neu positioniert, aus- oder umgebaut und neu intoniert werden. Mittels dieser Prozedur konnte unter anderem die Technik verbessert werden. Dadurch ist der Orgelklang auch erheblich weicher geworden und das Windsystem gibt kaum mehr störendes Rauschen von sich.

»Die Orgel ist aus den 60er Jahren. Eine Zeit, in der günstige Orgeln einen Boom hatten. Alles musste damals so auf schnell, schnell, gebaut werden. Das Pfeifenwerk ist zwar gut, die Technik hingegen war in einzelnen Bereichen verbraucht, besonders Schleifendichtungen und Pulpeten. Das Instrument wies zu viele Spuren der Orgelbewegung auf. Das bedeutete die Abkehr von allen romantischen Klängen. Die Orgel hält jetzt noch gut 30 Jahre«, erklärte Erbslöh.

Anschließend sollten die Zuhörer nun in den Genuss kommen, die neue Klangvielfalt der Orgel zu hören. Das Konzert übernahm Dekanatskantor und Kirchenmusikdirektor Matthias Roth aus Bad Reichenhall. Roth war viele Jahre als Stimmbildner und Korrepetitor beim BACH-Chor Fürstenfeldbruck und nebenberuflich an der Evang.-Luth. Adventskirche München-Neuaubing tätig. Er ist unter anderem verantwortlich für die Kirchenmusik in der Evangelischen Stadtkirche Bad Reichenhall und im Dekanat Traunstein. 2014 wurde ihm für seine Verdienste der Titel Kirchenmusikdirektor verliehen. Mit einem ausgewählten Repertoire demonstrierte er die neu ausbalancierte Klangvielfalt und Lebendigkeit der renovierten Orgel.

Das gelang besonders imposant bei Johann Sebastian Bachs Choralvorspiel »Nun danket alle Gott« (BWV 657 a 2 Clav e Pedale) und in der »Toccata & Fuge D-moll« (BWV 565). Hier konnte man die Dynamik besonders im Bassbereich spüren. Außerdem wurden vorgetragen: »Praeludium C-Dur (BuxWV 136) von Dietrich Buxtehude, »Was Gott tut, das ist wohlgetan« (Choral mit 9 Partiten) von Johann Pachelbel, »Kirchensonate B-Dur« (KV 68) und »Kirchensonate Es-Dur« (KV 67) von Wolfgang Amadeus Mozart sowie die »Orgelsonate N°2 C-Moll« (op. 65 N°2 Grave – Adagio – Allegro maestoso e vivace – Fuga) von Felix Mendelssohn-Bartholdy

Text und Fotos: Jörg Tessnow

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