Passionsandacht und Friedensgebet mit besonderer Musik

Schola Cantorum Berchtesgadensis singt in der Christuskirche
01. April 2022

Passionsandacht DSC02436Musik kann beruhigen, Seelentore öffnen und Sorgen lindern – was ihr auch in der vorletzten Passionsandacht gelang: Pfarrer Dr. Josef Höglauer hielt die Andacht, während die Schola Cantorum Berchtesgadensis unter der Leitung des Untersteiner Kirchenmusikers Friedrich Gaisbauer den musikalischen Part übernommen hatte. Gaisbauer und seiner Schola ist es seit gut zwanzig Jahren ein Anliegen, Alte Musik wieder lebendig zu machen – und gerade im Zusammenspiel mit dem Matthäus-Text, der Predigt und den Fürbitten für die Ukraine zeigte sich die geradezu brennende Aktualität dieser Musik.

Die Auswahl der Lieder folgte einer wohl überlegten Dramaturgie: Zur Begrüßung intonierte die Schola „Also hat Gott die Welt geliebt“, eine der bekanntesten Motetten von Heinrich Schütz, der die Gräuel des Dreißigjährigen Krieges selbst erlebt hatte. Pfarrer Dr. Höglauer erinnerte daran, in der Zeit vor Ostern sowohl das Leid Jesu zu bedenken, als auch an die Menschen zu denken, die aktuell unsägliches Leid ertragen müssen. Musik und Texte ermöglichten dabei eine neue Begegnung mit der Geschichte Jesu und mit Gott.

Nach dem warmen Klang zweier Motetten von Monteverdi und Ingegneri las Pfarrer Dr. Höglauer aus dem 26. Kapitel des Mathäus-Evangeliums vom Geschehen im Garten Gethsemane, als Jesus in Todesangst zu seinem Vater betete. Dem folgten zwei Lieder von Michael Haydn zum sterbenden Erlöser („Tristis est anima“) und der Finsternis nach seinem Tod („Tenebrae factae sunt“). Die eindrucksvollen Stimmen der Schola ließen fast dreidimensionale Klangbilder des dramatischen Geschehens entstehen.

In seiner Predigt verwies Pfarrer Dr. Höglauer dann auf drei eindrückliche Stellen in der Lesung und in den Gesängen, in denen jeweils Hände Thema sind: Einmal die betenden Hände Jesu, der offen von seiner Todesangst spricht. Dann die Hände der Soldaten, die zupacken und Leid zufügen, während Jesus sich klar gegen Gewalt ausspricht, als er seinen Jünger anweist, das Schwert zurückzulegen, da Gewalt nie eine Lösung sei. Und schließlich Jesu Worte am Kreuz „In deine Hände befehle ich meinen Geist.“, mit denen Jesus auch Menschen heute ermutigen will, Gott zu vertrauen, wenn mit eigenen Händen scheinbar Auswegloses nicht lösbar ist. In diesem Sinne hatte Pfarrer Höglauer auch die Fürbitten formuliert, die um Gottes Hilfe und Unterstützung baten, damit der grausame Krieg in der Ukraine beendet werden könne. Die vertrauten Worte Martin Luthers „Verleih’ uns Frieden gnädiglich“, berührend gesungen in der Vertonung von Felix Mendelssohn-Bartholdy, gaben der tiefen Sehnsucht nach Frieden Ausdruck. Drei weitere Stücke fassten die Andacht zusammen: Die ermutigende Choralmotette von Johann Michael Bach, „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, das „Ehre sei dir, Christe“ von Heinrich Schütz und das Seelen-tröstende Abendlied „Bleib bei uns, Herr“ von Josef Rheinberger. Mit dem Segen und der Bitte an Gott, allen Menschen nahe zu sein „in schweren Zeiten“, rundete Pfarrer Dr. Höglauer diese bewegende Andacht ab.

Ursula Kühlewind