Ethik und Politik

Ökumenischer Gesprächsabend mit Pfr. Dr. Thomas Frauenlob und Pfr. Peter Schulz
im evang. Gemeindehaus Berchtesgaden am 6. Februar 2020

Ob und wenn ja, was christliche Ethik und Politik miteinander zu tun haben, diesen spannenden Fragenkomplex betrachteten die beiden Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob und Peter Schulz beim diesjährigen Ökumenischen Gesprächsabend im evangelischen Gemeindesaal von den verschiedensten Seiten her. Und auch die Fragen aus dem Publikum fügten weitere Denkansätze hinzu.

Pfr. Peter Schulz stellte an den Anfang den Satz des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmid, nach dem bekanntlich mit der Bergpredigt keine Politik zu machen sei; sowie das jüngste Beispiel eines CSU-Politikers, der den Passauer Bischof für seine Teilnahme an einer Freitags-Demo kritisierte, da die Kirche „dort“ nichts verloren habe. Wann immer Menschen der Kirche öffentlich Stellung bezögen, so Schulz, wüssten die Kirchenkritiker genau, was nicht Aufgabe der Kirche sei. Dem gegenüber setzte Pfarrer Schulz vor allem die Kernsätze des Matthäus-Evangeliums „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, ...“ sowie Luthers Auslegungen im kleinen Katechismus, in dem die christlichen Gebote positiv formuliert werden und somit zum Nachdenken anregen. Hier sähe er die Basis für politisches Handeln auf der Basis christlicher Ethik.

Für Pfr. Dr. Thomas Frauenlob habe die Kirche seit etwa zehn Jahren einen deutlichen Vertrauensverlust erlitten – bestes Beispiel seien Talkshows, in denen z. B. Schauspieler, aber keine Theologen mehr zur Weltdeutung befragt werden. Dabei seien auch für ihn die zehn Gebote eigentlich klare Handlungsanweisungen. Aus einem Buch über die Kulturgeschichte Italiens zitierte er „zehn Worte“, die einen Menschen auszeichnen, der öffentlich handle. Hier würde ebenfalls deutlich, dass nur aus der Verbindung zu Gott ethisches Handeln entstehen könne, dass ein gutes, politisch aktives Leben auch gottgefällig sei, denn Tyrannei sei Gott verhasst.

Auf die Frage aus dem Publikum nach der Bedeutung der deutschen Ethikkommission konnte Dr. Frauenlob diese nur als Gewinn für die Gesellschaft bezeichnen, auch wenn es dafür keine Erfolgsstatistik gäbe. Die Forderung nach „lauterer“ Einmischung der Kirche sahen beide Pfarrer nicht eingeschränkt positiv: Einerseits wolle man nicht mehr zur früher üblichen Verflechtung von Kirche und Staat zurück. Andererseits gäbe es gerade in den Medien wenig Interesse an differenziertem Denken; Kirche würde auch immer weniger als Glaubensgemeinschaft ernst genommen, aus deren Botschaft man eigenes Handeln ableiten könne. In den Gemeinden solle Kirche heute leistungsorientiert sein, während Institutionalisierung und Bürokratisierung vorangetrieben würden.

Als positives Zeichen für die Zukunft führte Pfr. Dr. Frauenlob die Reisen von Papst Franziskus nach Lampedusa und Lesbos an sowie die klare Positionierung von Kardinal Marx und EKD-Ratsvorsitzendem Bedford-Strohm zur Flüchtlingsfrage. Es gehe für beide Pfarrer darum, wieder Freude am Evangelium zu vermitteln, mit den Menschen vor Ort zu arbeiten; und auch Gottesdienste mit Qualität anzubieten. Gleichzeitig lebe Kirche aus der Gemeinschaft und von der Auseinandersetzung mit anderen – so wie dieser Ökumenische Gesprächsabend, wie abschließend befunden wurde.

Ursula Kühlewind

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