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Kantatengottesdienst in Berchtesgadens Christuskirche

am 4. Juli 2026

Kantatengottesdienst 2026 VII 04Gleich zwei Kantaten von Johann Sebastian Bach waren im Gottesdienst am vergangenen Wochenende in der Christuskirche in Berchtesgaden zu hören: Zunächst „Ich armer Mensch, ich Sündenknecht“ (Bachwerkeverzeichnis 55) und sodann „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ (Bachwerkeverzeichnis 93). Dargeboten wurden sie von dem in Berchtesgaden schon des öfteren aufgetretenen Ensemble „Consort Ripieno Concertino“ aus Salzburg unter der Leitung von Matthias Müller-Zhang, und zwar in kammermusikalischer Besetzung (jedes Instrument und jede Stimmlage nur einfach besetzt). Zu der instrumentellen Besetzung von zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass sowie Flöte, Oboe, Oboe d’amore und Continuo Orgel gesellten sich diesmal zwei Sängerinnen (Sopran und Alt) und zwei Sänger (Tenor und Bass). Die Kantaten umrahmten die Liturgie und die Predigt von Pfarrer Dr. Josef Höglauer zur Geschichte von der Berufung der ersten Jünger Jesu am See Genezareth und dem darin enthaltenen Begriff des „Vertrauens“.

Die erste Kantate stammt aus dem Jahre 1726. Ihre beiden Rezitative und Arien werden nur von einem Tenor gesungen, mit sparsamer instrumentaler Begleitung. Die Kantate endet mit einem der zahlreichen berührenden Bach’schen Choralsätze. Besonders eindrucksvoll war hier nicht nur die ausdrucksvolle Stimme von Bernhard Berchtold, die bis zum berühmten „hohen C“ reichte, sondern auch seine intensive und den Text unterstreichende Duktion und Mimik – sicherlich ein Ergebnis seiner zahlreichen Opernrollen.

Die zweite Kantate fußt auf dem Kirchenlied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, dessen Melodie und teilweise recht drastischer Text von Georg Neumark aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges stammt. Sie wurde 1724 uraufgeführt. Auch hier sind die meisten Solopartien dem Tenor übertragen; jedoch kommen auch Sopran (Aleksandra Zamojska), Alt (Monika Waeckerle) und Bass (Manfred Roider) zu Wort. Höhepunkt auch hier wieder der Schlusschor, der alle Vokal- und Instrumentalsolisten in einer zu Herzen gehenden Melodie vereint.

Dass die durchwegs solistische Besetzung der Chor- und der Orchesterstimmen eine größere Besetzung nicht vermissen lässt, ist ein besonderes Qualitätsmerkmal von „Consort Ripieno Concertino“, das zusammen mit der guten Akustik der Christuskirche der Zuhörerschaft ein nachhaltiges geistliches wie musikalisches Erlebnis beschert hat. Am 16. August hat man Gelegenheit, diesen Klangkörper wieder zu erleben

Text: Roland Beier; Foto: Alexander Stocker