Banner "Evang.-Luth. Kirchengemeinde Berchtesgaden" mit Bildern aus dem Gemeindeleben

Consort Ripieno Concertino mit Kammermusik

am 3. Oktober 2026 in der Christuskirche Berchtesgaden

Das renommierte Salzburger Kammermusikensemble „Consort Ripieno Concertino“ (Violine: Matthias Müller-Zhang und Ehefrau Yan Zhang, Viola: Yan Lock Hoi, Violoncello: Enrico Mignani) gastiert seit Jahren mehrmals jährlich in Berchtesgadens Christuskirche und bildet damit einen festen Baustein im hiesigen Musikleben. Hatte man das Ensemble bisher vorwiegend mit Werken des Barock und der Frühklassik erlebt, so durfte man diesmal auch auf ein Streichquartett der Frühromantik gespannt sein. Aber der Reihe nach:

Zum Auftakt und gewissermaßen zum Einhören erklang das Divertimento in F-Dur (KV 136) von Wolfgang Amadeus Mozart – ein immer wieder gern gehörtes Frühwerk des Sechzehnjährigen. Es ist die erste der drei sogenannten Salzburger Sinfonien. Gebräuchlicher ist dabei die chorische Stimmenbesetzung, durchsichtiger jedoch die – wie hier – als Streichquartett. Der erste Satz beginnt sofort ohne lange Einleitung und versprüht Schwung und Frohsinn. Leichte Melancholie in der Durchführung weicht alsbald wieder dem straffen Hauptthema, bis der Satz in durchgehendem Rhythmus und ohne Umschweife endet. Im sanften zweiten Satz wagt der jugendliche Komponist schon einige kühnere durch Vorhalte erzielte Dissonanzen. Sie lösen sich aber rasch wieder auf, so dass dieser Satz harmonisch und zart verklingt. Das Finale („Presto“) ist insgesamt ein richtiger „Rausschmeißer“, der einiges an Exaktheit wie an Virtuosität verlangt, ohne allzu rasch heruntergespult zu werden. Den dazu kontrastierenden filigranen Zwischensatz spielten die Musiker fast unwirklich fein, um dann in der Reprise zu einem fröhlichen, beschwingten Abschluss zu kommen. Das war echte „Nachtmusik“.

Mit dem nächsten Programmpunkt hat das Quartett ein ungewöhnliches und wenig bekanntes Spätwerk (1789) von Mozart dargeboten, nämlich aus den „Sechs Fugen mit langsamen Einleitungssätzen“ (KV 404a) für Violine, Viola und Bass die Nr. V (in d-moll). Ungewöhnlich deshalb, weil es sich hierbei um die Bearbeitung der Bach’schen Orgelsonate II (BWV 526) handelt. Mozart hat Bachs Werke studiert und bewundert und einige von ihnen so wie dieses kongenial im kontrapunktischen Stil bearbeitet. Dabei erinnern die Oktavsprünge in der Bassführung an die berühmte Air von Bach. Die musikalische Darbietung des Trios überzeugte durch diesen Wettstreit der gleichberechtigten Instrumente.

Auch das Hauptwerk des Konzerts stammt aus der Feder eines musikalischen Wunderkinds: Des Frühromantikers Felix Mendelssohn-Bartholdy. Das Streichquartett in a-moll op. 13 hat der 18jährige 1827 komponiert und sich damit in einer musikalischen Gattung versucht, in der die übermächtigen Vorbilder Haydn, Mozart und Beethoven dominierten. Dieses Quartett geht mit den musikalischen Formregeln recht freizügig um und zeugt damit vom Selbstbewusstsein des jungen Komponisten. Es ist daneben über weite Teile herb und entfaltet nicht nur den Wohlklang, den man sonst in Mendelssohns Werken gewohnt ist (wie beispielsweise die ein Jahr zuvor geschaffene Ouverture zum „Sommernachtstraum“). Ungewöhnlich auch, dass die (langsame) Einleitung des ersten Satzes in A-Dur und nicht in der Haupttonart a-moll steht. Ihr poetischer Charakter – wundervoll vorgetragen – wechselt dann zum scharf punktierten Hauptthema in lebhaftem Allegro mit interessanten Harmonien und einer weit gefächerten Dynamik, die die vier Musiker voll einsetzen, so dass man stellenweise beinahe ein Oktett zu hören glaubt. Dem atemlosen Abschluss dieses Satzes folgt ein kantables, beruhigendes Adagio mit fugenähnlichem Beginn und einem bis zur Unhörbarkeit verklingenden Schluss. Ein prägnant dahinschreitendes ostinates Thema dominiert den dritten Satz (Intermezzo), bis es sich gegen dessen Ende auflöst. Das abschließende Presto ist charakterisiert durch strengere Fugati einerseits und rezitativische Passagen andererseits, bevor es mit dem Hauptthema des ersten Satzes zum temperamentvollen Abschluss kommt. Die musikalische Darbietung durch Consort Ripieno Concertino war außerordentlich eindrucksvoll und stimmig und ließ keine Wünsche offen außer vielleicht dem: Dass man bald wieder ein Werk aus der romantischen Musikperiode in so vollendeter Interpretation hören möchte!

Die Begeisterung des Publikums wurde belohnt mit Bachs berühmter Air in D-Dur als Zugabe, womit sich der musikalische Kreis wieder schloss.

Text: Roland Beier; Fotos: Alexander Stocker

  • Consort_Ripieno_Concertino_2026_X_03_18.32.37
  • Consort_Ripieno_Concertino_2026_X_03__18.21